Haller, Grundriß der Physiologie für Vorlesungen
Haller, Grundriß der Physiologie für Vorlesungen
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Haller, Albrecht v. Grundriß der Physiologie für Vorlesungen. Nach der vierten lateinischen mit den Verbesserungen und Zusätzen des Herrn Prof. (Heinrich August) Wrisberg in Göttingen, vermehrten Ausgabe aufs neue übersetzt, und mit Anmerkungen versehen durch (Samuel Thomas) Soemmerring mit einigen Anmerkungen begleitet und besorgt von P(hilipp) F(friedrich Theodor) Meckel. Berlin, Haude und Spener 1788. 8°. VIII, [1] Bl., 710 S. Marmorierter Pappband der Zeit mit goldgepr. Rückenschild. Garrison-Morton 585. Lundsgaard 482. Lesky 277. NDB VII, 541 ff. VD18 11407913. Waller 4009. – Erste Ausgabe der Übersetzung von Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803) der seit 1779 Professor der Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe in Halle an der Saale war. – A. v. Haller (1708-1777), der wohl bedeutendste Schweizer Mediziner und Naturwissenschaftler des 18. Jahrhunderts, „hat die vergleichend-physiologische Methode zum System erhoben. Insgesamt rückte er die Funktion der Körperteile in den Mittelpunkt. Nachhaltigste Wirkung war seiner Interpretation der „Sensibilität“ und der „Irritabilität“ beschieden (De partibus corporis humani sensilibus et irritabilibus, Göttingen 1752). Erstmalig wird aufgrund einer großen Reihe von Tierversuchen der Gedanke ausgesprochen, daß bestimmte Leistungen an bestimmte Gewebestrukturen gebunden sind, daß nur ganz bestimmte Teile bei Schädigungen Schmerzempfindlichkeit (Sensibilität) zeigen (alle Organe mit Nervenfasern), andere Teile wieder bei mechanischem, chemischem, elektrischem Reiz eine Verkürzungsfähigkeit (Irritabilität) aufweisen, ohne daß eine Schmerzäußerung auftritt (alle Organe mit Muskelfasern). Beide Erscheinungen werden von H. als spezifisch dem lebendigen Gewebe anhaftende Kräfte erklärt, sind also nicht auf ein immaterielles Prinzip (anima Stahls) zurückzuführen. Doch fanden gerade diese Begriffe ihre Ausdeutungen im Vitalismus (Th. de Bordeu, Blumenbach und andere) und gingen über die Erregungslehre J. Browns in die Medizin der Romantiker ein. Eingehend befaßte sich H. mit dem Kreislauf, dem Zusammenhang zwischen Blutbewegung, Herztätigkeit und Atmung. Er bewies experimentell – Anschauungen G. E. Hambergers entgegen –, daß im Pleuraraum keine Luft vorhanden ist. Er hielt es für abwegig, der Seele einen bestimmten Platz im Körper zuzuweisen, ebenso eine Beziehung des Kleinhirns zur Herztätigkeit und zu vegetativen Vorgängen anzunehmen. Irrtümlich behauptete er unter anderem, die Körperwärme sei durch das Blut erzeugte Reibungswärme und elektrische Vorgänge spielten in der Nervenfunktion keine Rolle, Ansichten, die sich seinem Ansehen gemäß lange hielten“ (E. K. Fueter in NDB). – Einband etwas angestaubt und teils stärker berieben, sonst sehr gut erhalten.
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